Schacholympiade 2008 in Dresden

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Schachjugend Herborn 1998 e.V.

Datum: 15.3.2008, 15:00 Uhr

Simultanspieler:
Leonid Kritz

Spielort:
Bürgerhaus Herborn-Hirschberg
35745 Herborn (Hirschberg)

unter der Moderation des Olympia-Ausschuss-Vertreters Jörg Schulz


Die Veranstaltung wird begleitet durch die Kunstausstellung
„Schach-Bilder-Welten“
von Bernd Besser (Hessen)

 

Leonid Kritz zu Gast in Herborn oder der Fußballer im Schach

/images/uploads/7223500b6c78269dbd6c4da08871b405.jpgBericht von Jörg Schulz

Im Zuge der Simultantournee des Deutschen Schachbundes anlässlich der Schacholympiade in Dresden war der Nationalspieler GM Leonid Kritz zu Gast bei der Schachjugend Herborn. Der Verein feiert sein 10jähriges Bestehen und hatte sich aus Anlass der Jubiläumsfeierlichkeiten um einen der 64 Orte der Simultantournee beworben. Zufall oder Planung? Einer der jungen Nationalspieler war vom Bundestrainer ausgewählt worden, um in Herborn – Hessen – die Nationalmannschaft zu präsentieren.
Die Bahn das unbekannte Wesen
Die Feierlichkeiten und auch die Simultanveranstaltung wurden in einem Stadtteil von Herborn in einem der Vereinshäuser des Ortes durchgeführt. Der ganze Verein war auf den Beinen. Die jungen Vorstandsmitglieder im besten Zwirn mit Krawatte, die anderen zumeist jungen Mitglieder und ihre aufgeregten Eltern in Freizeitdress, immerhin schien die Sonne, einer der wenigen schönen Tage in diesen Wochen.
Alle waren aufgeregt, alle fieberten dem Ereignis entgegen. Einzig wer nicht kam, war der Simultanspieler. Nervosität all über all, viele Telefoneinheiten wurden verbraten. Wer war Schuld? Die Bahn, wer sonst! Von Saarbrücken ging der Zug noch pünktlich, in Frankfurt lief auch noch alles glatt. Doch dann auf freier Strecke legte der Zug eine Pause ein und brachte die Herborner Vereinsseele zum Kochen.
Die beiden Spitzenspieler des Vereines sprangen ein und beschäftigten die jungen Vereinsmitglieder mit einem Doppelsimultan. Dann die alle erlösende Nachricht, GM Leonid Kritz ist auf dem Bahnhof Herborn angekommen und wartet auf Abholung. Der Vereinsvorsitzende Simon Martin Claus vergas alle Herborner Verkehrsregeln und brachte Leonid Kritz zum Simultan – heil sogar!

Ein Sympathieträger der Nationalmannschaft
Da war er nun. Ein bisschen schüchtern, doch das eigentlich ohne Grund, denn er hat viel vorzuweisen als 24jähriges, festes Mitglied der Nationalmannschaft mit einer Elozahl von über 2600 Punkten.
Leonid - Jahrgang 1984 - wuchs in Moskau auf. Mit 5 Jahren erlernte er Schach, mit 6 Jahren war er Mitglied im berühmten Verein Spartak Moskau. Schon mit 9 Jahren gewann er die U10 Meisterschaft von Moskau und wurde Vizemeister der russischen Meisterschaft. Dies war gleichbedeutend mit seinem ersten Start bei der Europameisterschaft U10. Mit seinem Verein Spartak Moskau erzielte er vor allem im Mannschaftsbereich viele Erfolgte.
Doch von Anfang an, konzentrierte er sich nicht nur auf Schach. Er zeigte schon früh sein mathematisches Genie. Schon mit 6 Jahren besuchte er die Mathematikschule in Moskau und 1996 wurde er Preisträger der Mathematikolympiade in Moskau.
1996 wurde zu seinem Wendejahr, denn die Familie übersiedelte nach Deutschland. Die Familie Kritz verschlug es ins Saarland, wo Leonid natürlich sofort die Nr. Eins im Schach wurde. Im Jahre 1998 wurde er Deutscher Meister U15 und qualifizierte sich zur Weltmeisterschaft U16, bei der er 1999 seinen bis dahin größten Erfolg feierte, vielleicht sogar insgesamt seinen größten, denn es war der Einstieg in das leistungsorientierte professionelle Schach für ihn. Leonid wurde in Spanien Weltmeister U16. Betreut und trainiert vor Ort von Holger Borchers.
Seiner mathematischen Begabung ging er auch in Deutschland weiter nach. In den Jahren 1999 bis 2001 wurde er jeweils Saarlandmeister bei der Matheolympiade. Die Bundesolympiaden konnte er jeweils nicht mitmachen, immer standen Schachtermine im Weg. 2002 klappte es dann und er wurde Vizemeister bei der Matheolympiade der Bundesrepublik Deutschland.
Parallel dazu entwickelte sich auch seine Schachkarriere weiter bis hin zu den Einsätzen in der A-Nationalmannschaft, in der er 2004 seine erste Schacholympiade für Deutschland bestritt. Mals sehen, ob wir ihn alle auch 2008 in Dresden im deutschen Team sehen werden.

 

/images/uploads/22d256b7bf0afb83ecde1a47c70cd3e7.jpgÜberzeugende Simultanvorstellung
Wenn es nach den Herborner geht, dann ist er nominiert. Im Eiltempo durchschritt er den Turniersaal und nahm den Kampf mit den 20 Gegnern auf. Er ließ ihnen kaum Zeit zum Atmen, so schnell drehte er seine Runden. Er hatte was gut zu machen, meinte Leonid, denn beim letzten Simultan hätte er schlecht gespielt, so seine Einschätzung. Pech für Herborn, dass seine Wiedergutmachung gerade mit diesem Simultan zusammenfiel. 19:1 hieß es am Ende! 18 souveräne Siege, wobei nicht ganz, in ein, zwei Partien hatte er etwas Glück. Mit etwas mehr Zuversicht und Mut wären da eventuell noch ein, zwei halbe Punkte für Herborn drin gewesen.

 

/images/uploads/5c29476e3d20d9810909bf96c4d587b6.jpgZweimal bot Leonid Kritz seinen Gegnern das Remis an, was natürlich sofort angenommen wurde. Die Glücklichen waren der Vereinsjugendwart Tobias Blaschke – natürlich der Jugendwart, sein Wort ist jetzt Gesetz! – und die erst 13jährige Alina Sancar (Bild). Ihr schrieb Leonid Kritz im Anschluss an das Simultan sogar noch einige Lobesworte auf die Namenskarte, bevor er sein Autogramm darauf setzte. Dieses Namensschild wird ab sofort einen Ehrenplatz im Mädchenzimmer von Alina haben, ohne Frage!
Insgesamt zeigte sich Leonid Kritz zufrieden über die Schachleistungen seiner Gegner, was natürlich den jungen Verein, der in den letzten 10 Jahren viel bewegt hat und zu einer festen Größe im Jugendschach geworden ist, richtig stolz machte.

Eine gelungene Veranstaltung, mit der die Nationalmannschat durch ihren Vertreter Leonid Kritz viele neue Freunde gewonnen hat, und die Herborner werden im November bei der Schacholympiade dem deutschen Team die Daumen drücken. Vielleicht sogar direkt vor Ort.
Schach statt Fußball
Den Bundesuwe wird es erschrecken, aber fast hätte der Fußball dem Bundestrainer Uwe Bösch einen seiner Nationalspieler weggeschnappt. Kurz bevor Leonid Kritz mit seiner Familie nach Deutschland übersiedelte, war Leonid in die Fußballauswahlmannschaft von Spartak Moskau berufen worden. Einer Fußballkarriere stand nichts mehr entgegen. Der Traum eines jeden Jungen! Doch wie wir nun alle wissen, es kam anders, der saarländische Fußball wurde auf ihn nicht aufmerksam, obgleich der langjährige DFB-Präsident Neuberger ein Saarländer war. Es wurde für Leonid die Schachkarriere. Ein wirklich vielseitiger Nationalspieler der Leonid Kritz aus dem Saarland, der für Werder Bremen in der Bundesliga spielt.