Schacholympiade 2008 in Dresden

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Bundesnachwuchstrainer Bernd Vökler

/images/uploads/7b00314613c0045e41c18d1f34933b19.jpgBernd Vökler im Kreis seiner Teamleiterkollegen (dritter von links)

von Axel Dohms

Während des Sechs-Länderwettkampfs der weiblichen Jugend (Russland, Polen, Schweden, Norwegen, Dt. Olympiaauswahl, Team Baden-Württemberg) vom 30.9.–3.10. 2005 in Hockenheim ergab sich die Gelegenheit zu einem kurzen Gedankenaustausch mit Bundesnachwuchstrainer Bernd Vökler.

Kurzbiographie:
- Jahrgang 63
- Im Alter von 9 Jahren das Schachspiel erlernt,
- Seitdem Mitglied der ISG Apolda.
- Diplomierter Mathematik- und Physiklehrer (Referendariat 1989-90)
- Weil der Eintritt in den Schuldienst seinerzeit erschwert, wenn nicht gar blockiert war, stellte er seine pädagogischen Fähigkeiten seitdem vornehmlich in den Dienst des Schachs.
- Schachliche Erfolge: 3. Platz bei der DDR-Meisterschaft 1980
- Mit dem Erfurter SK zweimal Mannschaftsmeister 1981 und als letzter Ostmeister 1991
- 1992 – 2002 Landestrainer von Thüringen
- seit 2003 Bundesnachwuchstrainer

Nett, Herr Vökler, dass Sie während des Länderkampfs, während der 4. Runde gegen Polen, ein paar Minuten Zeit für ein Gespräch finden. Wie wird man Bundesnachwuchstrainer? Bewirbt man sich, wird ernannt oder gewählt?

Es gab eine Ausschreibung im Jahr 2002. Ein Dutzend Kandidaten. Ich habe mich beworben und mich nach einem Vorstellungsgespräch gegen drei weitere Bewerber durchgesetzt.

Welche Voraussetzungen sind mitzubringen: Trainerschein oder viel praktische Erfahrung im Jugendbereich oder beides?

Eine Fülle von Anforderungen: A-Trainerschein, den hatte ich; Spielstärke, abgeschlossenes Pädagogikstudium. Weitere, andere Qualifikationen: Computerkenntnisse.

Wie lange sind Sie im Amt?

Gut 2 Jahre, befristet auf 4 Jahre.

Herr Vökler, man hört es Ihrer Spracheinfärbung an, Sie sind ein waschechter DDR-Sportler. Ihre wertvollste Erfahrung aus dieser Zeit, die Ihnen bei der jetzigen Aufgabe hilft?

Kann ich so nicht beantworten, aber eine Antwort, die nicht zu Ihrer Frage passt, aber dennoch Gewicht hat: Wir haben in der DDR-Sonderliga freitags einen Mannschaftskampf, samstags zwei und sonntags einen erledigt. Das war eine knochenharte Erfahrung.

Wie hat man sich Ihre Arbeit konkret vorzustellen: Sie sitzen in Apolda und warten darauf, dass Ihnen die Landesverbände über Hochbegabte berichten, die Sie dann auf Lehrgänge verteilen. Will sagen, wie wichtig ist z. B. die Zusammenarbeit mit den Verbandstrainern?

Ich bin zuständig für den D/C-Kader und den jüngeren C-Kader. Nach der Nominierung der Jugendlichen versuche ich mit den Verbandstrainern (sie sind nur selten eine feste Größe, nur in Sachsen und Baden-Württemberg, ansonsten wird es schon eng) und Heimtrainern einen Trainingsplan zu erarbeiten. Das gilt für ca. 40 Jugendliche.


... oder sitzen Sie am Computer und erledigen die Administration, von der Termingestaltung bis zum Quartiermeister?

Das mache ich natürlich auch. 6 Stunden Schachtraining und sonst nichts, das gibt es nicht. Viele meiner ausländischen Mitbewerber hatten sich das in der Tat so vorgestellt.

Wie viele Turniere, nationale und internationale Meisterschaften, Länderkämpfe wie diesen im Augenblick und wie viele Fachseminare betreuen Sie? Wie verhält sich der Aufwand von Organisation und Wissensvermittlung?

Das ist für das Jahr 2004 z. B. relativ einfach an Zahlen fest zu machen. Ich weiß es aus meiner Steuererklärung: da hatte ich 106 Tage Dienstreise (Länderkämpfe, Welt- und Europameisterschaften, Lehrgänge und Sitzungen). Einmal im Monat bin ich auch für 2 Tage in Dresden am Sportgymnasium, dem Bundesstützpunkt, tätig.

Woran lässt sich ein Schachtalent in frühem Alter, sagen wir ab 7 Jahren, erkennen?

Meine Lieblingsantwort: an den leuchtenden Augen. Der zweite Spruch, der mir dazu einfällt: "Talent hat, wer zum dritten Mal zum Training erscheint".

Gehen Sie selbst in Schulen? Sind die Talentsichtungsmaßnahmen ausreichend?

Ich gehe, abgesehen von Dresden, was keine Sichtung ist, nicht in Schulen. Der zweite Teil Ihrer Frage ist schwieriger zu beantworten. Die DSJ hat in zwei Orten 25 Jahre lang Talentsichtungsmaßnahmen durchgeführt. Nicht ohne Erfolg, aus ihr sind z. B. Elisabeth Paehtz, Fabian Döttling, Dimitri Bunzmann hervorgegangen. Allerdings ist im Laufe der Zeit die DSJ, personell wie finanziell, an ihre Grenzen gestoßen, weshalb z.T. Landesverbände einsprangen.
Sichtungsplattform schlechthin ist und bleibt aber die Meisterschaft der DSJ mit über 300 Teilnehmern, davon jeweils knapp 100 im U10 und U12-Bereich.

Wie schätzen Sie den deutschen Nachwuchs im internationalen Vergleich ein?

Im männlichen Bereich dicht an der Weltspitze. Baramidze, Arik Braun, Georg Meier, Falko Bindrich.

Von welchen Ländern könnten wir in der Jugendarbeit noch lernen?

Ich klammere die Osteuropäer aus. Wer in letzter Zeit stark auf- und überholt hat, ist Frankreich. Aus zwei Gründen: Die Vereine sind durch Reglement gezwungen, bei Meisterschaftskämpfen ein Jugendbrett zu besetzen. Die Suche nach Sponsoren ist auch erfolgreicher.

Die Karpow-Schachakademie-Hockenheim, die vorgestern eingeweiht wurde, ist sicherlich für unsere Verhältnisse ein Baustein ebenso wie z. B. das Dresdener Sportgymnasium. Aber reicht das aus?

Klar – es müsste mehr von solchen Sachen geben.

Warum der Name Karpow-Akademie? Gibt es Ratschläge oder finanzielle Zuwendungen? Sie als Mitglied des Vorstands können darüber sicherlich eine Auskunft geben.

Anatoli Karpow und Dieter Auer sind sehr gute persönliche Freunde. Haben zusammen ein Buch, "Faszination Schach", herausgegeben. Geplant ist, dass Karpow in die Trainerbildung eingebunden wird. Im Jahr 2006 soll er 8 – 10 Tage anwesend sein.

Sie waren Mitglied der Jury zum Trainer des Jahres. Der Grund ihrer Entscheidung?

Thomas Paehtz hatte die größten sportlichen Erfolge. Bernd Rosen ist das personifizierte Bindeglied zur Basis.

Was ist, Ihrer Ansicht nach, die wichtigste Trainereigenschaft?

Oh, das ist zu allgemein, da muss ich passen.

Wonach richten Sie das Training aus, einer besonderen Schachschule oder –methodik, nach den RTP-Plänen oder nach Ihrer eigenen Nase, Erfahrung?

Ich orientiere mich an den RTP-Plänen, die ich eigentlich gut finde, nur zu wenig durchdacht und publiziert.

Ihre Zwischenbilanz nach 2 Jahren?

Wir haben vieles erreicht. Mit einer Vielzahl der Kaderspieler und deren Eltern stehe ich in gutem Kontakt. Was mich freut.

Ihre persönlichen Wünsche für den Rest Ihrer Amtszeit?

Dass die Olympia-Idee 2008 noch mehr an Schwung gewinnt, und wir weitere Sponsoren.

Dank, Herr Vökler, für das Gespräch und viel Erfolg für die Zukunft.