Schacholympiade 2008 in Dresden

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Bernd Rosen-Trainer des Jahres 2004

Ein Porträt von Axel Dohms

Szene-Kennern braucht FM B. Rosen nicht vorgestellt zu werden. Das hieße Eulen nach Athen tragen. Eine Essener Schach-Dynastie. Vom Großvater ist ein Lehrbuch Dufresne-Mieses mit Widmung als Turnierpreis überliefert. Sein Vater (Jahrgang 1933) schlägt bei allen Seniorenmeisterschaften auf nationaler oder internationaler Ebene eine scharfe Klinge, sein Sohn (Jahrgang 1958) ist ein gestandener Spieler in der 2. Bundesliga. Darüber hinaus Autor des vom Dt. Schachbund offiziell herausgegebenen Lehrbuchs "Fit im Endspiel", mittlerweile in 3. Auflage erschienen und in den englischen Gambit-Verlag übernommen. Fast ein Adelsprädikat. Er betreut zusätzlich seit 1996 verschiedene Rubriken der Zeitschrift "Jugendschach", diverse Internet-Aktivitäten für Verein und Verband.
Ein energischer Aktionsradius zum Wohl und Nutzen des Schachsports. Kindergarten-Schach, Leiter des Internet-Stützpunkts SB NRW, Mitglied im Lehrteam des Schachbunds Nordrhein-Westfalen, Mitglied des NRW-Trainerteams bei den Deutschen Jugendmeisterschaften, Trainer in Dormagen (8 – 9mal im Jahr), in Erftstadt (8 – 9mal im Jahr), Mitglied des deutschen Trainerstabs bei der Jugendweltmeisterschaft 2004 in Kreta. Und und... Die Liste seiner Aufgaben ließe sich beliebig verlängern.
Ermöglicht wurde das alles nur dadurch, dass er als gelernter Sozialarbeiter seit 2002 bei der Stadt Duisburg nur noch eine Halbtagsstelle beansprucht.

Schach-Kurzbiographie:
- Jahrgang 1958
- Mit 6 Jahren Regeln vom Vater erlernt
- Mit 11 Jahren Mitglied der SF Katernberg (bis heute)
- Beste Elo 2340, beste DWZ 2378 (beides im Jahr 2002)
- Mit 18 Jahren Essener Jugendmeister, "zur eigenen Überraschung"
- Mit 30 Jahren die erste IM-Norm, "ebenfalls völlig unerwartet"
- Mit 40 Jahren die größte Spielstärke, eine späte Genugtuung
- Seit 2001 1. Vorsitzender der SF Katernberg. Ein "Funktionär", der in der 1. Mannschaft in der 1. Bundesliga spielt. Kommt nicht alle Tage vor.

Herr Rosen, gibt es in Essen ein Schachcafé?

Nee.

Dann können wir uns die üblichen Interview-Fragen nach Lieblingsgetränk, Lieblingsfarbe usw. sparen. Fangen wir so an: Ihr Lieblingsspieler?

Emanuel Lasker.

Ihr Lieblingsschachbuch?

Oh (Pause)... schwer zu beantworten. "Mein System" von Nimzowitsch. Wegen der Methode, der Sprache und seiner Skurrilitäten außerhalb des Schachs.

In welchem Land wären Sie am liebsten Trainer, weil dort die besten Bedingungen herrschen?

Ich weiß nicht, aber ich habe vielfach gehört, der USA-Standard sei hoch. Da leisten sich sogar Privatleute einen Schachtrainer und bezahlen ihn auch anständig.

Welches ist Ihr Lieblingsturnier?

Ach, früher mal... in Ostende, in den 80er Jahren, das Turnier existiert nicht mehr. Da bin ich mit meinem Vater zwei- oder dreimal gewesen.

Muss eigentlich ein A-Trainer seine Lizenz alle 4 Jahre, wie der C-Trainer auch, verlängern lassen?

Alle 2 Jahre, der B-Trainer alle 3!

Oft hört man als Begründung für die Trainer-Laufbahn: Zum Spitzenspieler hat es halt nicht gereicht. Was hat Sie als sehr guten Spieler dazu bewogen?

Als Kind war ich früh ganz gut, vielleicht etwas trainingsfaul. Mit 14 Jahren interessierte mich zum Teil kirchliche Gruppenarbeit. Da ist auch der Gedanke, Sozialarbeiter zu werden, entstanden. Nie im Sinn gehabt, als Spieler ganz nach oben zu kommen. Zu einem gewissen Zeitpunkt ergab sich die Idee, pädagogisches Engagement und mein Hobby zu verbinden.

Sie hätten doch die Zeit für Ihre Trainerscheine stattdessen nützen können, um ein noch stärkerer Spieler zu werden.

Wie gesagt: War nicht mein eigentliches Ziel. Aber einen IM-Titel hätte ich mir schon zugetraut.

Was zeichnet einen guten Trainer aus?

Für mich ist das Wichtigste: Einfühlungsvermögen in das Spiel des Schülers. Ein Stück weit auch Vorbild sein, wie man mit Erfolg und Misserfolg umgeht.

Welchen Fehler sollte ein Trainer auf jeden Fall vermeiden?

Das Schlimmste, was man machen kann: Einen Spieler, der verloren hat, noch nachträglich herunterzuputzen. Ein Fehler innerhalb des Schachspiels selbst: Zu frühzeitiges Variantenpauken.

Wo liegt Ihr Schwerpunkt, bei Jugend, Verein, Verband?

Seit 4 Jahren Landestrainer NRW, die Antwort ist klar: Bei der Jugend.

Wie viel Zeit (wöchentl., monatl.) verschlingt das?

Viel zuviel.

Was lässt sich im Schach am schwersten vermitteln?

Ich bringe ein Beispiel: Kinder, die über eine gute Technik verfügen, aber nichts unternehmen und nur auf die Fehler des Gegners warten – in meiner Sprache die Eichhörnchen-Spieler – dahin zu bringen, dass sie aggressiver werden. Oder ein anderes Beispiel: Schönspieler, die schon mal gerne einen Bauern für Initiative opfern, aber daraus dann nichts machen können. Kurzum: Unterschiedlichen Spielcharakteren helfen, über ihren eigenen Schatten zu springen.

Herr Rosen, en passant: In Köln gibt es auch kein Schachcafé. Aber eine sportsoziologische Untersuchung der Sporthochschule Köln. Danach sind in Köln 58% der Bürger sportlich aktiv, in Essen 74%...

Ach was, tatsächlich!

...von ihnen sind 20% Kölner in kommerziellen Einrichtungen aktiv, 23% in Vereinen. In Essen lautet das Verhältnis 13% zu 33%. Die launige Schlussfolgerung wäre denkbar, je nach Standpunkt: Schachvereine betreibt oder vertreibt Schachcafés! Spaß beiseite, welche Vorschläge zur Belebung von Schachvereinen fallen Ihnen ein?

Auch kein Patentrezept. Viel hängt an den örtlichen Verhältnissen, an einzelnen Personen und der immer zu kleinen personellen Ressource. Man muss halt immer neu prüfen, was man bewegen kann.

1970 war die Mitgliederzahl des Dt. Schachbundes ungefähr auf dem heutigen Stand, nämlich knapp unter 100.000. Wie lässt sich die Grenze knacken? Reicht der Olympia-Impuls Ihrer Einschätzung nach aus?

Bestimmt nicht. Alles, was Schachspieler machen, krankt daran, dass es andere Sportler nicht interessiert. Wir sind ein kleiner Mikrokosmos.

Der DSB startet eine Ausbildungsoffensive: 2008 Trainer und ÜL sollen im Jahre 2008 existieren. Ist das realistisch?

Wenn die formalen Forderungen so bleiben, wie sie sind, auf keinen Fall. Stellen Sie sich vor, der Aufwand im SB NRW ist für den C-Trainer-Bereich der längste und teuerste.

Sie haben, so habe ich gehört, den Trainerpreis 2005 bekommen. Herzlichen Glückwunsch. Wer bildete die Jury und wie lautete die Begründung?

Zum ersten Teil Ihrer Frage: Bundestrainer Bönsch, Bundesnachwuchstrainer Vökler, Leistungsreferent Deventer, Prof. Dr. Hochgräfe.

Gab es den Preis schon mal? Ich habe darüber nichts gehört und gelesen.

Nein, den gab es bisher nicht. Bundestrainer Uwe Bönsch hat mich in der letzten Bundesligarunde beiseite genommen und davon unterrichtet, dass ich zusammen mit Thomas Pähtz dieses Jahr erstmals Preisträger werden soll. Ziel ist es, der Trainertätigkeit mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit zu verschaffen.

Wir haben die Begründung Ihrer Wahl noch vergessen.

Die weiß ich selbst nicht. Die Preisverleihung kommt erst noch, die Laudatio auch, aber ich denke, die Verbindung von Pädagogik und Leistungsgedanken, über die wir bereits gesprochen haben und die mich von Anfang an geprägt hat, zu der ich weiterhin stehe, könnte ein Grund sein.

Herr Rosen, herzlichen Dank für das Gespräch.