Schacholympiade 2008 in Dresden

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Sebastian Bogner

Geb 1991
SC Neuhausen
DWZ:2326
Elo:2371
Schüler

 

Portait IM Sebastian Bogner

von Frank Hoppe
Sebastian Bogner wurde am 17. Januar 1991 in Pforzheim geboren. Das Schachspiel erlernte er von seinem Vater Norbert, einem Spieler mit einer DWZ von über 1900. Schon im Alter von 6 Jahren meldete ihn sein Vater beim SK Neuhausen an, bei dem beide heute noch spielen. Zu seinen Trainern zählten neben seinem Vater, der Neuhausener Vereinskamerad Jörg Hanisch (DWZ über 2100) und später die Badener GM Philipp Schlosser und IM Roman Vidonyak. Das tägliche Training dauert im Schnitt zwei bis drei Stunden.

 

/images/uploads/982999a23d3ce014941988b56a45b81f.jpgIm Jahr 2000 wurde Sebastian Badischer Meister U8 im Turnier der U10 mit 2 aus Punkten. Bei der Deutschen Meisterschaft U10 im gleichen Jahr erreichte er Platz 26.
Sebastians Spielstärke wuchs so rasant, das er 2001 bereits die Deutsche Meisterschaft U10 für sich entscheiden konnte (Bild: S.Bogner bei der Deutschen Jugend-Einzelmeisterschaft U 10 in Willingen) . Seine DWZ war im Laufe eines Jahres um über 1000 Punkte auf über 1600 gestiegen!

Im Jahr 2000 war Sebastian der jüngste Deutsche mit einer Elo-Zahl. Bei der Jugendweltmeisterschaft U10 im spanischen Oropesa del Mar im Jahr 2001 erreichte er mit Platz 15 den besten Platz den ein Deutscher bei einer U10-Weltmeisterschaft bis dahin erreicht hatte.

 

/images/uploads/cc0420fe20eebddd270e69aba6babbf0.jpgBei der Deutschen Meisterschaft U12 im Jahr 2002 gelang Sebastian mit 8 aus 11 ein 4. Platz. 2003 folgte in der U14 ein 22. Platz bei der Deutschen Meisterschaft. (Bild: S. Bogner bei Deutschen Jugend-Einzelmeisterschaft U14 2003) Für den 12jährigen war dieses Turnier zwar ein Rückschlag, doch in den folgenden Turnieren gelang ihm der Durchbruch und der Sprung über DWZ 2000 und 2100.

 

/images/uploads/9d9a7a01631e3fd2301488823f7974ef.jpgDas Jahr 2004 brachte ihm endgültig den nationalen Durchbruch. In Lwow, Neuhausen und Gausdal beendete er Turniere mit 2400er Leistungen. Besonders der Sieg im Oktober 2004 bei den Gausdal Classics war bemerkenswert. Im GM-Turnier siegte er mit 8 aus 11 vor GM Michail Iwanow, WGM Harriet Hunt, Oystein Hole und GM Heikki Westerinen!
Bei diesen Turnieren im August 2004 in Lwow, im Oktober 2004 in Gausdal und im November 2004 beim Baden Challenge in seiner Heimatstadt Neuhausen erzielte Sebastian jeweils IM-Normen.(Bild: Sebastian erhält aus den Händen des Präsidenten des Badischen Schachverbandes, Fritz Meyer, das Abzeichen für den FIDE-Titel Internationaler Meister. Die Ehrung fand im Rahmen des Neuhausener Opens 2005 statt. ) Nach dem Sprung über Elo 2400 im April 2005 stand der Verleihung des Titels Internationaler Meister nichts mehr im Wege.

 

/images/uploads/0b7516af84a814915873da79a4b208f1.jpg2005 belegte Sebastian bei der Deutschen Meisterschaft U14 hinter Niclas Huschenbeth zwar den zweiten Platz und wurde in einer Umfrage der DSJ "U-14-Spieler des Jahres", doch seine Spielstärke stagnierte bzw. fiel sogar. Minderte der IM-Titel etwa den Trainingsfleiß? [Bild) Deutsche Jugend-Einzelmeisterschaft U14 im Jahr 2005 )
Auch 2006 ging es nicht richtig weiter. Im Januar fiel seine FIDE-Elo sogar auf unter 2300.

 

/images/uploads/a806851d018cf8d363891d234d9fba37.jpgErst 2007 ging es langsam wieder aufwärts. Im Mai wurde Sebastian Deutscher U16-Meister und gewann mit der deutschen Mannschaft beim Mitropa Cup in Szeged die Bronzemedaille. Bei der U16-Weltmeisterschaft im November 2007 im türkischen Antalya erreichte er einen guten 7. Platz und schaffte den Sprung über DWZ 2400. [Bild: Jugend-WM 2007 in der Türkei ) Seitdem steigen FIDE-Elo und DWZ ständig und der Großmeistertitel wird wohl nicht mehr weit sein

 

Interview mit G. Meier, F. Bindrich und S. Bogner

Wer oder was hat dich auch das Schach gebracht?
Georg Meier: Die Regeln habe ich von meiner Mutter.
Falko Bindrich: Mein Bruder (DWZ 2.200).
Sebastian Bogner: Mein Vater (DWZ 2.000).
Wann hast du gemerkt, dass Schach mehr als Spiel und Zeitvertreib ist, nämlich eine ernstzunehmende Sportart?
G. M.: Vor dreieinhalb Jahren.
F. B.: Vor drei Jahren.
S. B.: Überhaupt noch nicht. Schach muss Spaß machen.
Wann und wo bist du in einen Schachverein geraten?
G. M.: Mit 9 Jahren, SC Zewen, später SC Trier-Süd.
F. B.: Mit 6 Jahren, vor der Schule. SC 1994 Oberland, im Dreiländereck nahe der tschechischen Grenze.
S. B.: Auch mit 6. SC Neuhaus, in der Nähe von Pforzheim.
Was muss ein guter Schachverein bieten?
G. M.: Ich würde sagen: gute Jugendarbeit.
F. B.: Ich auch.
S. B.: Nette Leute.
Wie wichtig ist dir ein Heimatverein?
G. M.: Trier-Süd ist und bleibt es.
F. B.: Ich bin noch passives Mitglied beim SC Oberland. Und wenn da was los ist, bin ich dabei. Ansonsten jetzt beim Dresdner SC.
S. B.: Bei mir ist die Sache klar. Neuhaus.
Wer hat dich besonders gefördert: Eltern, Verein, Schule oder Einzelpersonen (Trainer)?
G. M.: Trier-Süd, Kurt Lellinger.
F. B.: Mein Vater. In den letzten Jahren Infineon. Ein klein bisschen der DSB.
S. B.: Mein Vater.
Wodurch hast du spitzgekriegt, über mehr als durchschnittliche Spielstärke zu verfügen?
G. M.: Wenn es immer schneller und besser geht.
F. B.: Vielleicht habe ich es gar nicht mitbekommen. Ich habe gedacht, nicht viel fürs Schach zu tun und bin Deutscher Meister geworden.
S. B.: Das merkt man schnell.
Wie verlief deine Entwicklung: in Leistungsschüben oder langsam und stetig nach oben?
G. M.: Bei der Elo in Schüben, ansonsten progressiv. Ich habe spät angefangen.
F. B.: Stetig steigend.
S. B.: In Schüben. Eigentlich schon.
Was war dein größter Leistungssprung?
G. M.: Anfang dieses Jahres von 2360 auf 2440.
F. B.: Vor drei Jahren, wo ich in einem GM-Turnier einen halben Punkt aus 10 Partien holte. Da wollte ich mit dem Schach Schluss machen. Anderthalb Wochen später bin ich fast Jugend-Europameister geworden.
S. B.: Letztes Jahr, 2004. Drei IM-Normen geholt.
Was war deine wichtigste Turniererfahrung?
G. M.: Kann ich eigentlich nicht sagen. Für mich ist nur wichtig, dass ich Schach immer besser verstehe.
F. B.: Turniererfahrung kann ich nicht sagen. Aber ich habe immer davon profitiert, wenn ich einen GM getroffen habe.
S. B.: Mein Desaster in Gausdal: 0,5 aus 9.
Wie gehst du mit Niederlagen um? Lernst du daraus mehr, als aus Siegen?
G. M.: Im Prinzip ist es so.
F. B.: Schwer zu sagen. Das Schlimmste ist, wenn man sich selbst betrogen hat.
S. B.: Man muss daraus lernen. Schlecht ist es, wenn man mit sich selbst böse ist.
Wie bereitest du dich auf Turniere vor? Gar nicht, du vertraust deinen Stärken, durch Computeranalyse deiner Gegner, durch gezielte Arbeit mit einem Trainer?
G. M.: Im Moment wenig regulär. Nach dem Abitur wieder mehr.
F. B.: Ich trainiere jeden Tag drei Stunden.
S. B.: Ich schau mir gegnerische Partien an.
Wie würdest du deinen Spielstil beschreiben?
G. M.: Weiß nicht so genau.
F. B.: Im Grundsatz aggressiv. Aber manchmal ist es noch zu wenig.
S. B.: Statisch, ja doch.
Hast du ein Schach-Vorbild?
G. M.: Smyslov.
F. B.: Fischer.
S. B.: Eigentlich eher nicht.

Wie behebst du eventuell noch bestehende Schwächen?
G. M.: Durch Training.
F. B.: Zwei Schwächen kann man selbst beheben: Endspiel und Eröffnung. Das Spiel dazwischen nur mit ausgewachsenen Großmeistern über 2600.
S. B.: Durch Training.
Ist es für dich ein lohnendes Ziel, Schachprofi zu werden?
G. M.: Kommt darauf an, welche Spielstärke ich erreiche.
F. B.: Das beantworte ich, wenn ich 18 bin.
S. B.: Ganz meine Meinung.
Was ist schwerer: nach oben zu kommen oder oben zu bleiben?
G. M.: Oben bleiben.
F. B.: Ich bin noch nicht oben, ich kann es nicht sagen. Für mich ist es erst mal schwer, dort hinzukommen.
S. B.: Bei mir ist das genauso.
Wie viel Zeit investierst du ins Schach?
G. M.: Bis zum Abitur kein Thema.
F. B.: Schon beantwortet.
S. B.: Zwei bis drei Stunden am Tag.
Der wievielte Lehrgang ist es für dich?
G. M.: Eigentlich der erste.
F. B.: Der zweite. Aber mit Dorfmann ist es schon ein besonderes Erlebnis, gerade weil die Meinungen über ihn auseinandergehen.
S. B.: Der vierte.
Die Schacholympiade Dresden 2008 rückt näher. Ist die schon in deinem Kopf oder noch weit weg? Was erwartest du von ihr?
G. M.: Im Moment spielt die keine Rolle für mich.
F. B.: Ich erwarte, dass möglichst bald danach aus der zweiten Mannschaft die erste wird.
S. B.: Keine Ahnung.

Axel Dohms