Schacholympiade 2008 in Dresden

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Alexander Graf - die Nummer Eins im DSB

von Stefan Winkler

In nur 5 Jahren konnte sich Alexander Graf hierzulande einen sehr guten Namen machen. War er zuvor unter seinem Geburtsnamen Nenaschew nahezu unbekannt, so kann zumindest heutzutage in hiesigen Schachkreisen jeder etwas mit diesem Namen anfangen, spätestens seit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft 2004, einem seiner großen Erfolge. Den Namen Graf nahm er von seinem deutschstämmigen Vater an.

Das Mitglied der deutschen Nationalmannschaft wurde vor 42 Jahren in Taschkent, der Hauptstadt Usbekistans, geboren. Schnell wurde er von den damaligen sowjetischen Talentsuchern entdeckt und gefördert. So nahm er in Moskau an Lehrgängen der legendären Schachschule von Michail Botwinnik teil. Graf studierte an der Moskauer Fakultät für Körperkultur Sport, er war aber schon damals Berufsspieler. Offiziell gab es damals keine Profis im Sport, also musste nach außen hin der Schein gewahrt werden.

Nach der Auflösung der Sowjetunion Ende 1990 startete er für sein eigentliches Heimatland Usbekistan. 1992 errang er mit der Mannschaft Usbekistans bei der Olympiade in Manila hinter Russland völlig überraschend die Silbermedaille! An Brett 3 erzielte er damals mit 9,5 aus 12 das beste Ergebnis seines Teams!

Leider gab es in den Folgejahren immer wieder Spannungen und Unstimmigkeiten mit usbekischen Verbandsfunktionären, die schließlich dazu führten, dass Graf die Konsequenzen zog, sein Land verließ und sich in Leipzig nieder ließ. Heute spielt er für die SG Porz in der Bundesliga und nimmt in der aktuellen Weltrangliste Platz 63 ein.

Eine Auswahl von Turniersiegen von Alexander Graf:
Cappelle la Grande 1996
Kalkutta 1996 und 1998
Groningen 1997
Dubai 2000
Bad Wiessee 2000
Dresden 2002 und 2003

Den Auftakt zu der Simultantournee, die der Deutsche Schachbund anlässlich der Vergabe der Olympiade 2008 nach Dresden initiiert hat, bildet eine Veranstaltung der TSG Calbe an der Saale am Wochenende 30.04./01.05.05. Ziel ist es, in insgesamt 64 Simultanveranstaltungen bis zur Austragung der Olympiade 2008, den Schachclubs in Deutschland Gelegenheit zu geben, sich einem breiten Publikum bekannt zu machen und natürlich die Bevölkerung auf dieses großartige Ereignis Schacholympiade einzustimmen. Alexander Graf sagte auf Anfrage des DSB für diese erste Veranstaltung gerne zu.

Beim Neckar-Open in Deizisau über Ostern hatte ich Gelegenheit, ein Interview mit Alexander Graf zu führen.

Wann kamen Sie nach Deutschland?
Ich kam im Juni 2000 nach Deutschland. Bis dahin hatte ich meist in meiner Geburtsstadt Taschkent gelebt.

Was waren Ihre Beweggründe, nach Deutschland auszuwandern?
In Usbekistan mangelte es mir an Unterstützung in der Intensität, wie ich sie mir vorgestellt hatte, sowohl schachlich als auch allgemein. Von unserem Olympiateam, das 1992 in Manila so erfolgreich spielte und den 2. Platz belegt hatte, lebt heute keiner mehr in Usbekistan.

War Ihnen bewusst, was Sie in Deutschland erwartet?
Nein, das war mir keinesfalls klar. Es ist ein komplett neues Leben hier, an das ich mich zwischenzeitlich gewöhnt habe.

Ist es für Sie etwas Besonderes, für die deutsche Olympiamannschaft anzutreten und haben Sie besondere Gefühle dabei?
Ja, auf jeden Fall! Deutschland ist meine neue Heimat. Ich wurde gut aufgenommen und integriert, speziell in der Schachszene.

Sind Simultanveranstaltungen für Sie eine willkommene Abwechslung im Turnierkalender?
Das kann ich so nicht beantworten, denn am Wochenende 30.04./01.05.05 werde ich bei der TSG Calbe meine allererste Simultanvorstellung geben!

Werden Sie sich speziell auf diese und künftige Simultanveranstaltungen vorbereiten?
Nein. Ich werde mich auf meine Erfahrung verlassen.

Welche Einkommensmöglichkeiten gibt es als Schachprofi in Deutschland?
Bundesliga-Wettkämpfe, Einsätze für die Nationalmannschaft, Simultan, Trainerstunden geben, Schachbücher schreiben.

Haben Sie schon einmal daran gedacht, eine Internet-Schachschule zu betreiben, ähnlich wie der nach Spanien ausgewanderte Alexej Schirow oder der Exweltmeister Alexander Khalifmann aus St. Petersburg?
Nein, ich sehe die Chancen dafür als nicht ausreichend. Außerdem fehlt mir für solch ein Projekt die Zeit.

Sind für Sie Trainerstunden eine gute Alternative?
In den USA sind die Leute viel eher bereit, Geld für Schach auszugeben. Dort herrscht eine ganz andere Mentalität als in Deutschland. Hierzulande geben zu wenige Leute Geld für Schachtraining aus. Außerdem muss ich wegen materieller Zwänge viel spielen. Das ist einträglicher als Trainerstunden zu geben.
Des Weiteren braucht man dafür eine gewisse Mentalität, die ich nicht habe.

Glauben Sie, dass man sich als Schachprofi in Deutschland eine Altersversorgung schaffen kann?
Das ist sehr schwer! Man lebt praktisch von der Hand in den Mund, und vor Formschwankungen ist man auch nicht gefeit. Wenn die guten Platzierungen ausbleiben, wird es eng, und jünger wird man auch nicht.

Welche schachlichen Ziele haben Sie sich kurz- und mittelfristig gesetzt?
Ich möchte noch mal etwas „Großes“ gewinnen, z.B. eine Europameisterschaft. Ich rechne mir da gute Chancen aus! In diesem Jahr soll die EM in Polen stattfinden, allerdings ist die Austragung noch nicht 100%ig gesichert.

Wie lange trainieren Sie täglich?
Das ist sehr unterschiedlich und hängt von meinem Turnierplan ab.

Haben Sie ein spezielles Trainingsprogramm?
Nein. Üblicher Weise analysiere ich Partien.

Trainieren Sie gemeinsam mit anderen Großmeistern oder bevorzugt alleine?
Ich bin ein typischer Einzelgänger und trainiere deshalb alleine.

Nutzen Sie den PC oder altherkömmlich Bücher?
Den PC setze ich nur ein, um mich gezielt auf meine Gegner vorzubereiten. Bücher nutze ich gar nicht! Ich analysiere ohne Hilfsmittel und vertraue auf meinen Erfahrungsschatz.

Herr Graf, ich danke Ihnen für dieses Interview und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg!

 

Gelungener Auftakt der Simultantournee!

Zu den umfangreichen Veranstaltungen im Vorfeld der Schacholympiade in Dresden 2008 gehört eine Simultantournee der Nationalmannschaften durch 64 Orte in Deutschland.

Überall wird derzeit geplant und sich intensiv auf die Simultanvorstellung vorbereitet. Die Schachfreunde in Calbe hatten die schwere Aufgabe, den Startschuss für die Tournee zu geben - zusammen mit Deutschlands Nr. 1 GM Alexander Graf.

Und es wurde ein Festtag für Calbe und das Schach!
Mit einem Grußwort des Sozial- und Sportministers des Landes Sachsen-Anhalt Gerry Kley wurde die Simultantournee am 1. Mai in Calbe (Saale) gestartet. 30 Schachfreunde aus Calbe und Umgebung im Alter von 8 bis 80 Jahre stellten sich Deutschlands Nr. 1 zum Kampf. Nach vier Stunden anstrengender Partien zeigte sich, dass nur die Weisheit des Alters dem GM etwas entgegenzusetzen hatte. Allein dem Ältesten der Teilnehmer Werner Granitzki (Barby) und dem Chef des Organisationsteams Dr. Georg Hamm (62, Calbe) gelang ein Unentschieden. Trotz des 29:1 waren viele der Spieler stolz, wie lange sie doch Gegenwehr leisten konnten.

Vorangegangen war am Samstag ein Trainingsabend für die Schachfreunde der TSG Calbe, den Alexander Graf an Hand von drei zu diskutierenden Partien bestritt. Am Sonntagmorgen durften sich dann im Rahmen eines kleines Empfangs bei Bürgermeister Peter Zunder, Minister Kley, Großmeister Graf und der DSB-Vertreter Prof. Dr. Hochgräfe in das Gästebuch der Stadt eintragen. Ein Stadtrundgang und der Besuch der Heimatstube lieferten Informationen über Calbe in Vergangenheit und Gegenwart.

Die Veranstaltung wurde im größten Saal der Stadt, in der Gaststätte Nordmann durchgeführt. Sie war liebevoll vorbereitet. Nicht nur die vielen Plakate in der Stadt waren ein Hinweis dafür. Eigens für dieses Simultan gedruckte Partieformulare, Urkunden für alle Teilnehmer mit dem Konterfei des Großmeisters und kleine Erinnerungsgeschenke unterstrichen das. Möglich war das durch zahlreiche örtliche Sponsoren.

Insgesamt haben die Organisatoren, Schachfreunde der TSG Calbe, eine hervorragende Arbeit geleistet. Aber auch Alexander Graf hat durch sein freundliches, bescheidenes und doch so sachkundiges Auftreten viele Freunde und Fans in Calbe und Umgebung gewonnen.

 

Roland-Stadt Calbe erwartet Roland, den Schachriesen Alexander Graf

von Ernst Bedau
Noch vier Jahre bis zur Schacholympiade 2008 in Dresden. Aber die Werbung für die 3. größ-te Sportveranstaltung der Welt hat schon begonnen. Die Mitglieder der deutschen Schach-Nationalmannschaften präsentieren den schach-olympischen Gedanken in 64 Simultanveran-staltungen allen Regionen Deutschlands.
Die Auftaktveranstaltung dieser in der deutschen Schachgeschichte einzigartigen Publicity-Show findet am 01. Mai 2005 in der Saale-Stadt Calbe statt.
Beide haben sich viel vorgenommen: Die über tausendjährige Zwiebelstadt mit ihrem be-rühmte Roland fordert einen leibhaftigen Schachriesen heraus: Die Deutsche Nr. 1, Großmeis-ter Alexander Graf.
Die rührige Schachabteilung des stolzen, gut 1.500 Mitglieder zählenden Mehrspartenvereins (Badminton, Behindertensport, Fußball, Gymnastik, Handball, Kanu, Leichtathletik, Reit-sport, Teakwondo, Tennis, Tischtennis, Turnen, Volleyball, Seniorensport und Schach) schrieb nach der Wende eine einzigartige Erfolgsstory: 1990 mit 12 Spielern gestartet, ohne Jugend, ohne Vereinslokal, kleinste Schachabteilung des Kreises Schönbeck, ist sie 15 Jahre später größter Schachverein des Kreises, hat eine aktive Jugendabteilung und nimmt mit vier (!!) Mannschaften am Spielbetrieb teil. Die jetzt 38 Mitglieder organisieren Jugendwettkämp-fe und ein bundesweit ausgeschriebenes Schnellschachturnier. Da bleibt der sportliche Erfolg nicht aus: Vorläufige Krönung war 2005 der Aufstieg der 1. Mannschaft in die zweithöchste Spielklasse des Schachverbandes Sachsen-Anhalt.
Daneben wird das kameradschaftliche Miteinander gepflegt. Jährliche Busfahrten, Grillaben-de und Feiern führen Aktive, Ehepartner, Familienangehörige und Freunde zusammen.
Motor und spiritus rector des Vereins ist der Allrounder Dr. Georg Hamm. Der Leitende Ge-werbedirektor, Mitglied des Kreistages Schönebeck und Vorsitzender des Stadtrates Calbe ist ein begnadeter Organisator und starker Schachmeister: Geteilter 1. Platz beim Politiker-schachturnier Berlin 1993, Teilnehmer an Welt- und Europameisterschaften der Senioren im Einzel- und Mannschaftskampf und Gewinner zahlreicher Turniere auf Vereins- und Ver-bandsebene.
Das Geheimnis dieses Erfolgs? Der Georg Hamm: „Der menschliche Zusammenhalt, der of-fene Umgang miteinander.“
In seiner Eigenschaft als Vereinstrainer bereitet er seine Spieler auf den Vergleich mit dem Großmeister schon seit Wochen vor.
Ganz Calbe fiebert dem 01. Mai entgegen. Der Schirmherr, Stadtbürgermeister Peter Zunder, drückt seinen Schachspielern die Daumen. Aus der Landeshauptstadt Magdeburg hat sich Sozialminister Gerry Kley angesagt, um seinen sachsen-anhaltinischen Schachlandeskindern beizustehen und sie vielleicht aktiv am Brett mit zu unterstützen.
Aus Rostock eilt DSB-Referent für Ausbildung Dr. Hans-Jürgen Hochgräfe herbei. Er vertritt den DSB bei dieser Auftaktveranstaltung und trifft seinen langjährigen Schachfreund Dr. Hamm wieder.
Die Roland-Stadt gegen den Schachroland. Die Saale-Stadt Calbe gegen Deutschlands Nr. 1, Großmeister Alexander Graf. Besser und spannender kann der Auftakt zur Werbung für die Schacholympiade Dresden 2008 nicht sein.

 

Presseschau

/images/uploads/b9cfe11c251340fdb9fff04390e7e7ed.jpgDie Simultanvorstellung von GM Alexander Graf fand auch eine große Presseresonanz.